Deportation saarländischer Jüdinnen und Juden vor 80 Jahren nach Gurs

 

Landtagspräsident Stephan Toscani und Regionalverbandsdirektor Peter Gillo enthüllen ein Verkehrsschild, das auf die Entfernung zum Lager Gurs hinweist

Am 8. September 2020 enthüllten Landtagspräsident Stephan Toscani und der Direktor des Regionalverband Saarbrücken Peter Gillo auf dem Schlossplatz Saarbrücken ein Verkehrsschild mit der Aufschrift „Gurs 1.212 km“. Dieses Schild erinnert an die Deportation saarländischer Jüdinnen und Juden in das Lager Gurs. An der Enthüllung nahmen der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar Richard Bermann, seine designierte Nachfolgerin Ricarda Kunger, der Beauftragte für jüdisches Leben im Saarland, Prof. Dr. Roland Rixecker sowie Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann,  Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland teil.

Landtagspräsident Stephan Toscani: „Das neue Schild soll alle, die am Schlossplatz vorbeikommen, an die Deportation von saarländischen Jüdinnen und Juden und damit an Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung erinnern. Ich danke Regionalverbandsdirektor Peter Gillo sehr dafür, dass er die Aufstellung des Schilds möglich gemacht hat. Hier befindet sich schon eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Nationalsozialismus – das Unsichtbare Mahnmal. Dieses Mahnmal und das heute enthüllte Schild stehen in unmittelbarer Nähe der zentralen Einrichtungen des Naziregimes: Im linken Flügel des Saarbrücker Schlosses war die Gestapo mit ihren Folterkellern untergebracht. Ganz in der Nähe befand sich auch die Kreisleitung der NSDAP.“

Regionalverbandsdirektor Peter Gillo: „Der Saarbrücker Schlossplatz ist mit seiner wechselvollen Geschichte genau der richtige Ort für dieses Schild. Und deshalb laden wir auch schon jetzt zu einer Gedenkstunde hier auf dem Schlossplatz am 22. Oktober ein - genau 80 Jahre nach der Deportation tausender Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland nach Gurs.“

Landtagspräsident Stephan Toscani erinnerte an den Gedenktag für die Verfolgten des Naziregimes am 27. Januar im Landtag des Saarlandes, bei dem in diesem Jahr die Deportation von Juden aus den Regionen Saar, Pfalz und Baden in das Lager Gurs im Mittelpunkt stand: „Zahlreiche weitere Veranstaltungen, die sich dieser ersten Massendeportation von Juden ins Ausland widmen, waren für dieses Jahr geplant. Die Corona-Pandemie hat viele unmöglich gemacht, umso wichtiger ist es, dass die heutige Enthüllung des Schildes stattfinden kann.“

Die Deportation nach Gurs fand vor 80 Jahren statt - am 22. Oktober 1940. Nach jahrelanger Entrechtung, Verfolgung und Demütigung durch die Nationalsozialisten, nach derVernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz wurden im Herbst 1940 jüdische Bürgerinnen und Bürgeraus ihrer saarländischen Heimat in das südfranzösische Lager im unbesetzten Frankreich verschleppt. Die im Saarland festgenommenen Juden wurden mit Bussen zum Bahnhof Forbach gebracht. Gemeinsam mit Jüdinnen und Juden aus der Pfalz hatte man sie von dort mit Zügen und nach Oloron-Saint-Marie und von dort auf Lastwagen nach Gurs verschleppt.

Es waren somit die ersten Massendeportationen von Juden aus dem Deutschen Reich ins Ausland. Fast ein Jahr vor den Beschlüssen der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 begannen am 6. August 1942 begannen die Deportationen vom Lager Gurs in die Vernichtungslager in Polen.