Stellungnahme

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LAGE zum Runden Tisch Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm

Ansicht Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm zwischen der Gedenkstätte von 1947 und der Neugestaltung 2004. Foto: Zentrum für Medien/Bildungscampus Saarland, 2010 (Mechthild Schneider)

Einstimmiger Beschluss des LAGE Sprecher:innenrates in seiner Sitzung im Adolf-Bender- Zentrum in St.Wendel am 18.6.2026

Hintergrund: Sprecher F.-M.Hofmann hat am von der Evang. Kirche vorgeschlagenen und von der Staatskanzlei einberufenen “Runden Tisch Gedenkarbeit Neue Bremm“ für Ev. Kirche und LAGE in Personalunion am 26.2.26 in der Staatskanzlei teilgenommen. Dort wurde vereinbart, dass jede teilnehmende Organisation bis 31.7.26 die Möglichkeit hat, eigene Ideen, Konzepte und Wünsche für eine künftiges, neues Gesamtkonzept für Inhalte und Trägerstruktur bezgl. der Arbeit an der Gedenkstätte einzubringen und zur Idee der Gründung eines Fördervereins Stellung zu beziehen.Der nächste „Runde Tisch“ soll Ende Sept/Anfang Okt. 2026 stattfinden.
Mit dem in ihrer Sitzung am 18.6.2026 im Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel beschlossenem Statement kommt die LAGE ihrer Verantwortung für ein neues Konzept in dieser von landesweitem Interesse stehenden Projekt, das ihr Sprecher mit angestoßen hat, nach. Der Sprecher:innenrat der Landesarbeitsgemeinschaft hat in seiner Sitzung am 18.6.26 in St. Wendel einstimmig beschlossen:

Der Sprecher:innenrat der LAGE nimmt mit Zustimmung zur Kenntnis, dass auf Vorschlag  der Evangelischen Kirchen im Saarland die  Staatskanzlei am  26.2.26 einen „Runden Tisch zur Zukunft der Gedenkstätte Gestapolager Neue Bremm“  einberufen hat. Die LAGE begrüßt, dass viele unterschiedliche Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft beteiligt sind und bedankt sich für die Möglichkeit der Mitgestaltung der neuen Strukturen, die auch wir als dringend geboten erachten.

Die LAGE würde es begrüßen, wenn die von Ihrem Sprecher FMH auf Sitzung am 26.2. vorgeschlagene Idee von zwei parallelen Strukturen (staatlich und zivilgesellschaftlich) umgesetzt werden würde. Damit würde die staatliche Verantwortung wahrgenommen, auch wenn es keine „staatlich gelenkte Erinnerungspolitik“ geben darf. Wir halten folgende vier Punkte für sinnvoll:

Inhaltliche Konzeption: Auch wenn wir uns ursprünglich eine Stiftung o.ä. haben vorstellen können, erscheint uns die auf der Sitzung vom 26.2. von Dr. Peter Henkel und Simon Matzerath vorgeschlagene Verbindung zum Historischen Museum des Saarlandes als sinnvoll, da das Schloss (Gestapoleitstelle und -zelle, Platz des Unsichtbaren Mahnmals und der Erinnerung an die Deportation  der saarländischen Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940 ) und die Neue Bremm aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds zusammengehören: Oft war die Abfolge der Stationen für die verfolgten Menschen Verhaftung, Inhaftierung und Verhör im Saarbrücker Schloss, dann Weiterverbringung zum „Erweiterten Polizeigefängnis Neue Bremm“ oder Verhaftung und Weiterleitung zur Neuen Bremm und anschließendem Verhör im Schloss. Der Fund der Gestapo-Zelle war der Anlass zur Gründung des Historischen Museums (damals noch: Regionalgeschichtliches Museum) 1986. Die Bedeutung der beiden Erinnerungsorte Haftzelle im Historisches Museum Saar und Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm würde sich durch ein gemeinsames Konzept in der Erinnerungs- und Vermittlungsarbeit wiederfinden. Zugleich würde eine bereits bestehende Struktur nutzbar gemacht, ohne dass neue aufwändige Strukturen gebildet werden müssen. - Wir sehen die Notwendigkeit, dass durch das komplexe Netz von dann entstehenden Zuständigkeiten (Stadt, Land, Regionalverband als Träger des Historischen Museum Saar eine intensive Zusammenarbeit der genannten Gebietskörperschaften vonnöten ist und möchten zu einer konstruktiven zielorientierten Kooperation Aller ausdrücklich ermutigen.
-Es muss sichergestellt werden, dass die Bildungs- und Forschungsarbeit vor Ort dauerhaft durch qualifizierte und nicht-prekäre Beschäftigungsverhältnisse gewährleistet wird.
-Gerne bringt sich die LAGE da, wo es gewünscht ist, mit ihrer Expertise ein. Angesichts der o.g. Gründe und im Wissen darum, dass das Historische Museum Saar erste Überlegungen für eine Zusammenlegung der Gedenk- und Erinnerungsarbeit am 17.2.26 der Staatskanzlei vorgelegt hat, die wir für nachvollziehbar und gut erachten, verzichten wir auf die Benennung eigener Bausteine für ein neues Konzept und würden uns freuen, wenn in dem angedachten Sinne nach weiterer Vorstellung und Diskussion im größeren Kreis des Zweiten Runden Tisches im Herbst 2026 weitergedacht werden würde.

2. Bauliche Notwendigkeiten:

Bezüglich der Anfrage der Staatskanzlei zu den gewünschten Gebäuden im Bereich der Gedenkstätte, deren Zweck, Nutzerzahl und Ausstattung verweist die LAGE als Grundlage auf die bereits im Vorfeld erarbeiteten Bedarfe. Diese wurden zum einen im Workshop vom 13.11.2023, an dem auch die LAGE beteiligt war, erörtert und im Protokoll von Frau Dr. Graf (Landeszentrale für politische Bildung) dokumentiert. Zum anderen wird auf die in den Protokollen der Initiative Neue Bremm festgehaltenen Bedarfe verwiesen.

- Darüber hinaus unterstützt die LAGE den bereits Herrn Lokstein übermittelten Vorschlag der Evangelischen Kirchen, ein neuzuerrichtendes Gebäude inklusiv und als O-Liter-Haus ökologisch verantwortet zu planen.

- Grundsätzlich müssen sich die baulichen Maßnahmen jedoch an den Bedarfen orientieren, die die künftige Trägerschaft im Rahmen ihrer inhaltlichen Konzeption definiert. Es sollte vermieden werden, bauliche Entscheidungen zu treffen, bevor diese Konzeption vorliegt, da andernfalls die Gefahr besteht, dass Gebäude und Ausstattung nicht den tatsächlichen Anforderungen und der späteren Nutzung entsprechen.

3. Förderverein: Die LAGE begrüßt die Gründung eines Fördervereins zur Unterstützung der Gedenkstätte Neue Bremm, wie dies bereits am 26.02. von unseren Sprechern F. M. Hofmann und J. Didas angeregt wurde.

Aus unserer Sicht sollte die Gründung jedoch erst erfolgen, wenn die zukünftige Träger- und Organisationsstruktur der Gedenkstätte sowie ihre inhaltliche Ausrichtung feststehen. Erst auf dieser Grundlage kann eine Satzung entwickelt werden, die den Aufgaben und Zielen des Fördervereins dauerhaft gerecht wird, eine enge Abstimmung mit der künftigen Trägerschaft gewährleistet und deren Arbeit sinnvoll ergänzt. Ein späterer Gründungszeitpunkt bietet zudem die Möglichkeit, alle interessierten Akteurinnen und Akteure in den Entwicklungsprozess einzubeziehen und den Förderverein von Beginn an auf eine breite, tragfähige und langfristig erfolgreiche gesellschaftliche Basis zu stellen.

4. Internationalität: Wünschenswert ist bei beiden Strukturen Abstimmung und informelle Beteiligung mit der französischen Seite. Auch deren Gedenkarbeitende sollten zur Mitwirkung am neuen Konzept beteiligt sein, um von Anfang an grenzüberschreitend und im Geist der deutsch-französischen Freundschaft und der Saarländischen Frankreichstrategie zu handeln. Dazu sollten zum Zweiten Runden Tisch auch Menschen aus Frankreich (ggfls. auch Luxemburg) eingeladen werden und vorher über das bisher Angedachte und Gelaufene informiert werden.

F.d.R.: Frank-Matthias Hofmann, Sprecher