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LAGE unterwegs

3. Mai 18:00 – 00:00
  • Stellungnahme

LAGE zu Gast im Dokumentationszentrum Sinti und Roma

Exkursion zum Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg am 2. April 2022

 

„Wir haben einen langen Weg zurückgelegt und dabei viel erreicht“, fasst Romani Rose die vergangenen vier Jahrzehnte seines Wirkens in einem Satz zusammen. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma nahm sich beim Besuch seiner saarländischen Gäste viel Zeit und berichtete von seinem langen Engagement um Anerkennung und gegen Diskriminierung. Nach wie vor gehören Sinti und Roma zu den Bevölkerungsgruppen, die am meisten mit Vorurteilen und Ablehnung zu kämpfen haben. Sie seien Müßiggänger, kriminell oder kulturlos, so die bis heute vorherrschenden Stereotype. Dies gehört noch immer zum Alltag von Sinti und Roma, auch wenn das Fazit von Romani Rose versöhnlich klang. Sie seien bei allen Anfeindungen doch Teil der deutschen Gesellschaft.

Der Zentralrat sieht sich als Bürgerrechtsbewegung, die für die Rechte der Sinti und Roma eintritt. Rose berichtete von wichtigen Wegmarken, wie dem Hungerstreik von 1980 in der KZ-Gedenkstätte Dachau wegen der anhaltenden Diskriminierung durch deutsche Behörden, der Anerkennung der Verbrechen an den Sinti und Roma als Völkermord durch Bundeskanzler Schmidt oder auch der Eröffnung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas 2012 in der Nähe des Deutschen Bundestags. Neben Rose berichtete auch Diana Bastian, die Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma im Saarland, von ihrer Arbeit aus regionaler Perspektive. So soll in absehbarer Zukunft im Echelmeyerpark in Saarbrücken ein Mahnmal für die verfolgten Sinti und Roma entstehen und noch im April 2022 eine Rahmenvereinbarung mit der saarländischen Landesregierung abgeschlossen werden, die nicht nur ein Bekenntnis der Politik gegen Antiziganismus sein soll, sondern auch dabei helfen soll, die Arbeit des Landesverbandes zu verstetigen.

Die Exkursion war eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAGE) und der Evangelischen Akademie im Saarland. LAGE-Sprecher Frank-Matthias Hofmann zeigte sich erfreut über das rege Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und hob die Bedeutung der Sinti und Roma in der deutschen Erinnerungskultur hervor. Nicht nur, dass sie seit Jahrhunderten einen marginalisierten Teil einer meist ablehnenden Mehrheitsgesellschaft darstellten, sondern auch neben den Juden eines der Hauptziele der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik waren. Die als Porajmos – analog zur Bezeichnung „Holocaust“ oder „Shoa“ – bezeichnete Ermordung von mehr als 500.000 Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten wird eindrücklich in der Dauerausstellung des Dokumentationszentrums gezeigt. Der Leiter der Einrichtung, Emran Elmazi, der zugleich auch stellvertretender Vorsitzender des saarländischen Landesverbandes ist, führte durch die Räume. Sie zeigen die Entrechtung, Ausgrenzung, Verschleppung und Ermordung anhand von Zeitdokumenten und einzelner Schicksale. Die Ausstellung wird in den kommenden Jahren überarbeitet und das Dokumentations- und Kulturzentrum erweitert.

Die Exkursion nach Heidelberg verdeutlichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie wenig die Gesellschaft von den Sinti und Roma weiß, auch wenn sie schon seit Jahrhunderten quasi in der Nachbarschaft leben. Negative Bilder dominieren die Sicht bis heute, weshalb das Dokumentations- und Kulturzentrum einen wichtigen Beitrag zur Auflösung von Vorurteilen und zum Verständnis einer reichen Kultur mitten in unserer Gesellschaft beiträgt. Ein Besuch dort bereichert jede Fahrt nach Heidelberg.

 

Leander und Frank Hirsch

Dr. Frank Hirsch, LAG Erinnerungsarbeit im Saarland

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