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LAG-Sprecher Frank-Matthias Hofmann im epd-Gespräch

12. Jun
  • Presseinformation
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LAG Sprecher Frank-Matthias Hofmann: Gute Erinnerungsarbeit ist politische Bildung

LAG-Sprecher Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann im epd-Gespräch mit Marc Patzwald:

Gute Erinnerungsarbeit ist politische Bildung


Saarbrücken (epd). Der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)
Erinnerungsarbeit im Saarland, Frank-Matthias Hofmann, fordert von der
Zivilgesellschaft einen konsequenteren Einsatz gegen Enthemmung und Verrohung.
Auch die politisch Verantwortlichen müssten Extremismusprävention,
Erinnerungskultur und den Schulunterricht verstärken, sagte der Beauftragte
der Evangelischen Kirchen im Saarland dem Evangelischen Pressedienst
(epd). In einer Zeit der Relativierungen von Verbrechen des NS-Regimes
brauche es mehr denn je eine professionelle, kenntnisreiche und engagierte
Erinnerungsarbeit.
„Für die NS-Verbrechen gilt nach wie vor: Es gibt kein Ende des Erinnerns“,
betonte Hofmann. Die Erinnerung an die Verbrechen sei weder Schande noch
Schwäche. Sie stärke die Sensibilisierung für die Würde und die elementaren
Rechte des Menschen heute. „Daran mitzuwirken, ist deshalb auch ein Dienst
am Menschen und an unserem demokratischen Rechtsstaat“, sagte der
Theologe.
Dabei gehe es nicht um eine Perpetuierung eines Schuldgefühls oder eines
„schlechten Gewissens“. „Es geht um Erschrecken und Trauer, dass es
möglich war, dass auf und vom deutschen Boden aus so schweres Unrecht
stattfand beziehungsweise ausging“, erklärte der LAG-Sprecher. Zwar gebe
es keine Kollektivschuld, wohl aber eine kollektive Scham. Aus dem Wissen
um die NS-Verbrechen müsse ein Verantwortungsgefühl erwachsen, das
dazu führt, sich allen Bestrebungen in Richtung Verharmlosung der NS-Zeit,
Leugnen der Shoah, Niedermachen Andersdenkender oder dem Verbreiten
von Hassparolen entgegenstellt. „Wir brauchen eine nach innen wehrhafte
Demokratie“, sagte Hofmann.
Gute Erinnerungsarbeit zeichne aus, wenn sie von einem Erinnerungs- zu
einem Erkenntnisprojekt werde, erklärte Hofmann. „Gute Erinnerungsarbeit
hält sich auch an den Beutelsbacher Konsens, dass man niemanden mit
der eigenen Meinung ’überwältigen’ darf, sondern argumentativ arbeitet.“
Dazu sei es nötig, von sich selbst abstrahieren zu können, sich einmal in
den Andersdenkenden hineinzuversetzen und zu verstehen suchen, was den
anderen zu seiner Meinung bringe, ohne seine eigene Position vorschnell
aufzugeben.
Gute Erinnerungsarbeit sei politische Bildung und arbeite an der Demokratiebefähigung
der Menschen, betonte Hofmann. Zur Vernetzung der Arbeit zur
Erinnerung an die NS-Zeit hatten sich im vergangenen September Vereine,
Organisationen und Schulen im Saarland zur Landesarbeitsgemeinschaft
zusammengeschlossen. Sie soll die Erinnerungsarbeit im Saarland bündeln,
stärken und bekannt machen.

Quelle: www.epd-west.de

 

 

Hofmann

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