Empörung und Abscheu

29. Jan – 30. Jun
  • Stellungnahme
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Erklärung der LAG Erinnerungsarbeit im Saarland zur Schändung des Gedenkortes in Rehlingen-Siersburg

Aus Anlass der Schändung des Gedenkortes für die im Nationalsozialismus verfolgten, internierten und ermordeten Jüdinnen und Juden der Gemeinde Rehlingen-Siersburg erklärt der Vorsitzende des Sprecher_innenrates der LAG Erinnerungsarbeit im Saarland:

 

LAG Erinnerungsarbeit im Saarland: Wir stehen an Ihrer Seite und verurteilen die Gedenkstättenschändung aufs Schärfste!

Mit Empörung und Abscheu muss unsere LAG Erinnerungsarbeit das Foto zur Kenntnis nehmen, auf dem die frevelhafte Schändung des Mahnmals mit dem Gedenken an die nach Gurs deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden Ihres Ortes zu sehen ist.

Für solche Taten darf es keine Akzeptanz in unserer Gesellschaft geben, die Täter müssen gefunden und bestraft werden. Mit dieser Gedenkstättenschändung - bewusst im Umfeld der 75. Wiederkehr der Befreiung der Inhaftierten des KZ Auschwitz und der 80. Wiederkehr der Deportation der pfälzisch-badisch-saarländischen Judenheit nach Gurs -wollen die Täter die erinnerungspolitische Dauerhaftigkeit der Gedenkstätte, welche die AG Stolpersteine Rehlingen-Siersburg mitinitiiert hat, und die Erinnerung an jüdisches Leben zerstören, dessen symbolische Präsenz tilgen und indirekt auch die Würde der Verstorbenen verletzen. Allein in Deutschland wurden seit Kriegsende 2000 jüdische Friedhöfe und Denkmale geschändet.

"Die Zerstörung jüdischer Friedhöfe ist kein Ausdruck des Antisemitismus, sie ist er selbst“, kommentierte Theodor W. Adorne die zunehmenden Schändungen jüdischer Friedhöfe bereits in den 1950er Jahren. Dasselbe gilt auch für die Schändung von Erinnerungsmahnmalen an deportierte  und ermordete Opfer des Nationalsozialismus, in diesem Falle der Dorfjüdinnen und -juden.

Auch wird dadurch das lobenswerte ehrenamtliche Engagement unseres Mitglieds der LAG Erinnerungsarbeit, der AG Stolpersteine Rehlingen-Siersburg herabgewürdigt, indem Teile deren Arbeit, zu der die Einrichtung des Gedenkortes gehört, zunichte gemacht werden. Ich bin aber sicher, dies wird nicht gelingen und denke, dass die meisten in Rehlingen-Siersburg unsere Abscheu über das Geschehene teilen. Wir stellen uns jedenfalls vorbehaltlos hinter die wichtige Gedenkarbeit der AG Stolpersteine Rehlingen-Siersburg, die wir sehr schätzen, und stehen ihr solidarisch zur Seite.

 

Vorsitzender der Sprecher_innenrates der LAG Erinnerungsarbeit

Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann


LpB für LAG Erinnerungsarbeit