„Damit kein Gras drüber wächst“ – Projektstart per Live-Stream

1. Apr – 29. Mai
  • Vortrag/Diskussion
Landesjugendring Saar
Stengelstraße 8
Saarbrücken 66117

In einer Video-Konferenz am 31. März, die bei Facebook live übertragen wurde, stellte der Landesjugendring Saar gemeinsam mit den Kooperations- und Bildungspartnern des Historischen Museums Saar, der Initiative Neue Bremm und der Landeszentrale für politische Bildung Saar die neue Initiative „Damit kein Gras drüber wächst“ vor.

Aufgrund der aktuellen Beschränkungen durch die weltweite Corona-Pandemie, wurde die geplante Auftaktveranstaltung des Erinnerungsprojekts des Landesjugendrings Saar (LJR) in den digitalen Raum verlagert. In einer Video-Konferenz am 31. März, die bei Facebook live übertragen wurde, stellte der LJR gemeinsam mit den Kooperations- und Bildungspartnern des Historischen Museums Saar, der Initiative Neue Bremm und der Landeszentrale für politische Bildung Saar die neue Initiative „Damit kein Gras drüber wächst“ vor. Mit dem Projekt will der LJR Projekttage und Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene entwickeln, mit denen die regionale NS-Geschichte wieder stärker in das Bewusstsein gerückt und auch für Generationen greifbar wird, die keinen persönlichen Bezug mehr zu dieser Zeit haben.

Tobias Wolfanger, Vorsitzender des LJR, betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung, die Erinnerung an die Geschichte des Nationalsozialismus wachzuhalten. Gerade in Zeiten, in denen Rassismus und altes Gedankengut wiederaufleben, sehen sich der LJR und seine Mitgliedsverbände in der Verantwortung, über jugendorientierte Erinnerungsarbeit für diese Themen zu sensibilisieren. Per Video-Botschaft betonte auch Monika Bachmann, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, die aktuelle Relevanz der Thematik und die Notwendigkeit, das Wissen über die Gräueltaten des Nationalsozialismus im Saarland, jungen Menschen mit Angeboten der außerschulischen Jugendarbeit zu vermitteln. „Hass, Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit, Verfolgung und Völkermord gehören nicht der Vergangenheit an und sollten nicht nur Themen für Geschichtsbücher sein", so die Ministerin. Auch die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot, hat sich mit einem Video-Gruß an die Beteiligten gewandt und drückte ihre Freude darüber aus, dass die Initiative mit dem digitalen Kick-Off trotz der widrigen Umstände Flagge gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass zeige. Zum Projekt hat die Ministerin ganz persönliche Bezüge: „Es ist gut, dass junge Menschen an die Geschichte erinnern und zeigen, was in Saarbrücken passiert ist. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Beteiligung bei der Initiative Buddeln und Bilden. Solche Initiativen sind enorm wichtig für die Demokratiebildung.“

Gerade das seit zwei Jahren auch interregional stattfindende Workcamp „Buddeln und Bilden“ auf der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm hat den Anstoß dafür gegeben, ein gemeinsames Projekt für junge Menschen ins Leben zu rufen und an der Ausschreibung des Bundesförderprogramms „Jugend erinnert“ teilzunehmen, erklärt der Geschäftsführer der Initiative Neue Bremm, Burkhard Jellonnek. „Ich denke es ist sehr wichtig, dass junge Leute erfahren, was dort in den 1940er Jahren bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs passiert ist.“ Auch der Leiter des Historischen Museums, Simon Matzerath, stellte heraus, wie wichtig es ist, immer wieder neue Akzente in der Erinnerungskultur zu setzen. Mittelpunkt der ständigen Ausstellung zum Nationalsozialismus im Historischen Museum ist eine Zelle, die damals von der Gestapo-Leitstelle unter anderem auch dazu genutzt wurde, Inhaftierte des Lagers Neue Bremm zu verhören und zu foltern. Gerade diese Verbindung der beiden Erinnerungsorte ermögliche es, die Komplexität und das ganze Ausmaß der Maschinerie und Gewalt der Saarbrücker Gestapo erst zu begreifen.

Auch bei den geplanten Projekttagen und Workshops soll dieser Komplexität Rechnung getragen werden. Projektleiterin Lisa Denneler, stellte in einer kurzen Präsentation die geplanten Aktivitäten vor: Neben dem bereits bestehenden Workcamp, sind Workshops geplant, in deren Fokus die beiden Erinnerungsorte stehen. Gemeinsam mit Studierenden der Historisch orientierten Kulturwissenschaften werden in einem Praxiskurs Konzepte erarbeitet, in denen einerseits die Geschichte der Orte anschaulich vermittelt wird und die andererseits aktuelle Themen und Fragestellungen wie Verfolgung, Menschenrechte oder Diskriminierung aufgreifen. Auch weitere Formate sind denkbar: „Wir haben das große Glück, dass wir viel ausprobieren können und keine großen Zahlen erreichen müssen, sondern, dass wir Angebote entwickeln können, die nachhaltig wirken und auch über die Projektlaufzeit hinaus in anderen Organisationen durchgeführt werden können“, erklärt sie. Als Beispiel führt die Projektleiterin eine Kooperation mit dem TGBBZ1 an, mit dem gerade unter dem Titel „Radeln und Bilden“ eine alternative Fahrradtour entwickelt wird. Ferner wird es für Jugendliche ab 16 Jahren, die sich im Projekt als „Scouts“ engagieren möchten, Qualifizierungsangebote geben und auch Fortbildungen für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sind bereits in der Planung.

Ein weiterer Projektbaustein wird die Überarbeitung des Portals „erinnert-euch.de“ sein, das vor vielen Jahren in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung entstanden ist, die sich auch im Projekt „Damit kein Gras drüber wächst“ als Bildungspartnerin engagiert. Auf dem Portal sind über 500 Erinnerungsorte verzeichnet, die es ermöglichen die Geschichte des eigenen Heimatortes zu erforschen. Sabine Graf, Fachreferentin der Landeszentrale für politische Bildung, zuständig für Erinnerungsarbeit und historisch-politische Bildung, hob abschließend nochmals hervor, dass diese geplante Erweiterung eine hervorragende Idee und Chance sei, die unbedingt genutzt werden müsse.

 

Der gesamte Live-Stream des digitalen Projektstarts von „Damit kein Gras drüber wächst“ ist auf der Facebook-Seite des Landesjugendrings Saar abrufbar. Weitere Infos zum Projekt finden sich darüber hinaus online unter: www.landesjugendring.saar.de/Projekte.

 

Das auf drei Jahre (2020-2022) angelegte Projekt „Damit kein Gras dru?ber wächst“ wird im Rahmen des Förderprogramms "Jugend erinnert" von der Beauftragten der Bundesregierung fu?r Kultur und Medien gefördert. Die Bildungsmaßnahmen werden vom Ministerium fu?r Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie unterstu?tzt.

Vogel