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LAGE kommentiert

15. Mär 2022
  • Stellungnahme

Stellungnahme zur aktuellen Lage in Europa

Kommentar der LAG Erinnerungsarbeit im Saarland zum Krieg in Europa

Es ist wieder Krieg in Europa. Der russische Autokrat Wladimir Putin bringt mit seinem brutalen Angriff Tod und Elend über die ukrainische Bevölkerung. Im Nachhinein erweisen sich alle diplomatischen Bemühungen seitens des Westens als vergebliche Mühen: Putin war nie an einer Lösung des Konflikts mit tragfähigen Kompromissen gelegen. Wir verschlossen die Augen in der Hoffnung, den gierigen russischen Bären zu besänftigen. Dabei lagen die Fakten schon seit langen offen vor uns: Die Kriege in Tschetschenien, Syrien und Georgien, die Besetzung der Krim, die politischen Morde an Oppositionellen und Journalisten, Zensur und Verfolgung von abweichenden Meinungen, Destabilisierungsmaßnahmen und Sabotage in den Nachbarstaaten usw. Putin hat eine Diktatur errichtet, in der er von ihm treu ergebenen Oligarchen gestützt wird. Verfassung und Gesetze hat er von innen heraus ausgehöhlt, seine eigene Bevölkerung leidet unter der allgemeinen Kleptokratie und Armut.

 Erst vor wenigen Wochen wurde am 27. Januar, dem Auschwitz-Gedenktag, der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Das geht immer einher mit den Schlagworten „Nie wieder“ und „Wehret den Anfängen“. Was heißt das jetzt in dieser Situation? Wie müssen wir jetzt agieren, ohne dass diese Grundkonstanten der deutschen Politik, aber auch der deutschen Zivilgesellschaft nicht zur hohlen Phrase werden? Viele Politiker und Kommentatoren sehen in den aktuellen Ereignissen bereits eine Zeitenwende. Die Bundesrepublik verabschiedet sich in rasantem Tempo von alten Grundsätzen: Es werden Waffen in eine Kriegsregion geschickt, die Sanktionen werden in ungekannter Härte zusammen mit der internationalen Gemeinschaft in kürzester Zeit verhängt und der Wehretat wird ohne die vorherigen Debatten und Gegenargumente drastisch erhöht. Gleichzeitig geht eine Welle der Solidarität durch die Gesellschaft, die in Demonstrationen und Hilfsaktionen ihre Unterstützung unter Beweis stellt.

Das Foto zeigt einen Wegweiser auf dem Gelände der Gedenkstätte „Gestapo-Lager Neue Bremm“. Die Schilder erinnern an andere Konzentrationslager und die Herkunftsorte der Gefangenen. Darunter befinden sich auch Lemberg (Lwiw) und Kiew. Sie zeigen uns, dass der Schrecken mitten in Europa unter uns ist und die Ukraine nach achtzig Jahren wieder zum Schlachtfeld wird. Bei Kiew befindet sich die Schlucht Babyn Jar, in der 1941 33.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder von der Wehrmacht und SS ermordet wurden. Das Massaker gilt als ein weiterer Eskalationsschritt bei der Ermordung der europäischen Juden. Bei dem Beschuss von Kiew wurde die Gedenkstätte von Bomben getroffen.

Vor diesem Hintergrund erweist sich Putins Argument, er wolle die Ukraine von einem nationalsozialistischen Regime befreien, als absurd und gelogen. Damit verhöhnt er die Opfer des Holocaust und die Opfer seines Krieges. Unsere Pflicht ist es, das Mögliche zu tun, um der Gewalt Einhalt zu gebieten und den Betroffenen zu helfen – und Putin zu demonstrieren, dass Demokratie nicht schwach ist, sondern dass eine offene Gesellschaft eine große Stärke ist. Als Akteure in der Erinnerungsarbeit wollen wir im Gedenken den Opfern ihre Würde zurückgeben. Unser Engagement weist aber auch in die Zukunft: Bei aller Ohnmacht und Hilflosigkeit muss Frieden das Ziel bleiben.

Im Auftrag des Sprecher*innenrates der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAGE):  Dr. Frank Hirsch

 

Im Anhang finden Sie den Beitrag "Ohne eine unabhängige Ukraine wird es keine Erinnerung an Babyn Jar" von Andrej Umansky erschienen in der "Berliner Zeitung" vom 17.03.2022

 

Dr. Frank Hirsch

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